Symbolfoto: Hände, die einander berühren – eine kleine Geste mit großer Wirkung.Susanne Schophoff
Regensburg. Hände berühren, Lieder vorsingen, da sein: Eine Stunde bewusst mit Menschen in der letzten Lebensphase Zeit verbringen - das ist die Idee hinter dem Projekt "Ich sorge mich um dich" der Caritas Regensburg. Seit zwei Jahren läuft es inzwischen, mittlerweile in zehn Pflegeeinrichtungen, vier weitere werden es im kommenden Jahr. Finanziert wird "Ich sorge mich um dich" durch die Hospiz- und Palliativhilfe im Bistum Regensburg.
Die Projektidee basiert auf dem "Total Pain Prinzip": "Ein Mensch hat nicht nur körperliche Schmerzen, sondern es kommen auch seelische, soziale und psychische Schmerzen dazu", erklärt Anita Kerscher, Referentin für Hospizarbeit und Palliative Care. Mit dem Projekt wird beispielsweise sozialer Schmerz, worunter Einsamkeit fällt, in den Blick genommen. "Wir wollen den Menschen bis zum Ende wertschätzen, Respekt erweisen und Zeit und Zuwendung schenken" erklärt Projektinitiatorin Anita Kerscher den Kerngedanken von "Ich sorge mich um dich".
Für das Projekt sind aktuell in zehn Pflegeeinrichtungen wöchentlich eine Stunde lang Betreuungskräfte im Einsatz. "Ich gehe zu den Bewohnern, die bettlägerig sind und wenig Besuch bekommen", sagt Betreuungskraft Melanie Roth aus dem Caritas Pflegeheim St. Elisabeth in Bruck in der Oberpfalz. Manche der Projektteilnehmer haben keine Angehörigen mehr und verlassen das Zimmer nicht, andere können nicht mehr sprechen. "Man weiß, dass sich bei Menschen, die sich nicht mehr verbal äußern, die anderen Sinne schärfen", erklärt Kerscher.
Dort setzt das Projekt an: Betreuungskraft Melanie Roth berührt von manchem Bewohner die Hand, anderen erzählt sie Geschichten, mit wieder anderen betet sie oder singt etwas vor. "Ein Bewohner hat früher gerne gesungen und gejodelt, da bringe ich einen Liederzettel mit", sagt sie. Früher habe der Mann noch mitgesungen, heute würde er nur noch summen. Manchmal schlafen die Bewohner während der Stunde ein. Dann wartet Roth bis sie aufwachen, und bekommt zum Dank ein "Schön, du bist noch da" zu hören.
Bei Bewohnern, die nicht mehr sprachfähig sind, würden ein Lächeln, Nicken, Augenzwinkern oder gar die Raumatmosphäre ihre Stimmung verraten, erklärt Einrichtungsleiterin Christine Blab. Sie erinnert sich an eine kürzlich verstorbene Bewohnerin, auf die sich das Projekt besonders ausgewirkt hat: Zu bestimmten Zeiten habe die Frau geschrien. Erst durch die Stunde Aufmerksamkeit, die ihr im Rahmen von "Ich sorge mich um dich" geschenkt wurde, habe sie damit aufgehört.